Seit dem 2. August gelten neue Regeln - und wir haben schon aufgeräumt
Was der AI Act von KI-Bildern verlangt, was das für eure Feier heißt und warum ihr euch meistens keine Sorgen machen müsst.
Neu hier?
Was unsere KI-Bildstil-Transformation überhaupt kann, haben wir im Januar ausführlich vorgestellt. Zum Beitrag mit allen Stilen und Beispielen →
Kurz vorweg, weil es sonst der Elefant im Raum bleibt: Wir sind Fotobox-Leute, keine Juristen. Was hier steht, ist keine Rechtsberatung, sondern die Erklärung, wie wir mit dem Thema umgehen und was wir an unserer Technik geändert haben. Wenn ihr für eure Veranstaltung auf Nummer sicher gehen wollt, fragt bitte jemanden, der das darf.
So. Und jetzt zum eigentlichen Thema.
Seit dem 2. August 2026 gilt in der EU ein neues Gesetz für künstliche Intelligenz, der sogenannte AI Act. Einer der Teile darin betrifft ausgerechnet das, was bei uns seit anderthalb Jahren für die größten Lacher an der Fotobox sorgt: Bilder, die von einer KI verwandelt wurden. Julian saß daraufhin ein paar Abende über Gesetzestexten statt über Quellcode - was ihm, ehrlich gesagt, deutlich weniger Spaß gemacht hat.
Worum es eigentlich geht
Die Idee hinter den neuen Regeln ist einfach und eigentlich sympathisch: Wenn ein Bild von einer KI gemacht wurde, soll man das erkennen können. Niemand soll sich am Ende fragen müssen, ob ein Foto echt ist oder nicht.
Dahinter stecken zwei ganz verschiedene Anforderungen, und die werden oft in einen Topf geworfen:
- Die unsichtbare Kennzeichnung. Jedes von einer KI erzeugte Bild soll eine Markierung tragen, die Programme auslesen können. Man sieht sie nicht, sie steht in den Bilddaten. Diese Pflicht trifft denjenigen, der die KI bereitstellt - also uns.
- Der sichtbare Hinweis. Bei Bildern, die täuschend echt wirken, soll für Menschen erkennbar sein, dass da KI im Spiel war. Diese Pflicht trifft denjenigen, der die KI auf der Veranstaltung einsetzt.
Warum das bei einer Fotobox meistens entspannt ist
Der zweite Punkt gilt nämlich nur für Bilder, die man für echt halten könnte. Und schaut euch mal diese beiden an:
Kein Mensch hält das für ein Foto
Das hier schon eher
Links ein Paar als gestrickte Wollfiguren. Da fragt niemand, ob das echt ist - das ist offensichtlich Kunst, und genau solche Bilder sind von der sichtbaren Hinweispflicht ausgenommen. Dasselbe gilt für Ölgemälde, Karikaturen, Comics, Mosaike und den ganzen Rest unseres künstlerischen Katalogs. Und das ist der weitaus größte Teil davon.
Rechts wird es interessanter: Dasselbe Paar, aber vor einer Partykulisse, in der es nie gestanden hat. Das sieht aus wie eine echte Aufnahme - und bei solchen Bildern schaut das Gesetz genauer hin.
Was wir eingebaut haben
Beides. Erst die unsichtbare, dann - weil wir es lieber gleich richtig machen - auch die sichtbare.
Die unsichtbare Markierung bekommt ab sofort jedes Bild, das unsere KI angefasst hat. Sie steht in den Bilddaten, nach dem internationalen Standard, den auch Nachrichtenagenturen und Bildarchive verwenden. Programme können daran erkennen, dass hier KI im Spiel war.
Zwei Dinge waren Julian dabei wichtig, und ich finde beide richtig:
- Von ihr sieht man nichts. Kein Wasserzeichen, kein Logo, kein Balken.
- Die Bildqualität bleibt unangetastet. Die Markierung wird in die Datei eingefügt, ohne das Bild neu zu berechnen. Kein einziger Bildpunkt verändert sich - das haben wir nachgemessen.
Und Fotos ohne KI-Bearbeitung bekommen selbstverständlich gar keine Markierung. Ein normales Fotobox-Bild ist ein normales Fotobox-Bild.
Und das sichtbare Zeichen
Für die Bilder, die man für echt halten könnte, gibt es zusätzlich ein sichtbares Zeichen. Wir nehmen dafür nicht irgendein selbst gebasteltes Logo, sondern das Zeichen, das die EU-Kommission für KI-Inhalte bereitstellt. So sieht das aus - links ohne, rechts mit:
Ohne Zeichen
Mit Zeichen, unten rechts
Klein, ruhig, in der Ecke. Es sucht sich außerdem selbst die passende Fassung: auf hellem Untergrund die dunkle, auf dunklem die helle. Sonst verschwindet es genau dann, wenn man es sehen soll.
Wo es sitzt, könnt ihr bestimmen - neun Positionen stehen zur Wahl, für jede Ecke, jede Kante und die Mitte. Das ist keine Spielerei: Viele von euch setzen ihr eigenes Logo aufs Bild, und die beiden sollen sich nicht in die Quere kommen. Für die quadratischen Bilder und das animierte GIF gibt es eine eigene Position, weil dort meistens das Kundenlogo sitzt:
Im 1:1-Format wandert es auf die andere Seite
Und ganz wichtig: Das Zeichen kommt nicht auf jedes Bild. Es erscheint nur bei den Stilen, die Fotorealismus darstellen - Kulissenwechsel und Ähnliches. Die Wollfigur, das Ölgemälde, die Karikatur bleiben unangetastet. Welcher Stil dazugehört, haben wir für jeden einzelnen Eintrag im Katalog von Hand hinterlegt, nicht von einer Automatik raten lassen.
Was passiert, wenn ihr die Bilder teilt
Das haben wir ausprobiert, statt es zu vermuten. Wir haben dasselbe KI-Bild zweimal hochgeladen - einmal mit unserer Markierung, einmal ohne. Links das Ergebnis mit, rechts ohne:
Mit unserer Markierung: "KI-Inhalt"
Ohne Markierung: kein Hinweis
Bei Instagram genauso - dort heißt der Vermerk "KI-Info" und steht direkt unter dem Kontonamen:
Mit unserer Markierung: "KI-Info"
Ohne Markierung: kein Hinweis
Die Plattformen lesen also tatsächlich aus, was wir in die Datei schreiben. Zwei Dinge sind uns dabei aufgefallen, die ihr wissen solltet.
Der Hinweis ist sehr dezent. Wir haben ihn beim ersten Mal selbst übersehen. Er steht klein unter dem Beitragsnamen und im Menü hinter den drei Punkten - kein Balken im Bild, kein Wasserzeichen. Eure Fotos sehen also aus wie immer.
Er gilt pro Beitrag, nicht pro Bild. Ladet ihr ein Album mit zehn Fotos hoch und eines davon ist ein KI-Bild, bekommt der ganze Beitrag den Vermerk. Das ist keine Fehlfunktion, sondern die Art, wie Facebook das umsetzt - gut zu wissen, damit ihr euch nicht wundert.
Trotzdem verlassen wir uns nicht allein darauf. Was andere Plattformen daraus machen, entscheiden andere - und wenn ein Bild vorher durch einen Messenger gewandert ist, sind die Zusatzdaten oft schon weg, weil dabei neu gerechnet wird. Deshalb kennzeichnen wir die Bilder zusätzlich dort, wo wir es selbst in der Hand haben: in eurer Event-Galerie.
Dort tragen die betroffenen Bilder ein kleines "KI" in der Ecke, und über der Bilderwand steht ein kurzer Satz dazu. Der sagt euren Gästen auch, dass sie so ein Bild bitte selbst als KI-bearbeitet kennzeichnen, wenn sie es posten. Denn das ist der Punkt, den man leicht übersieht: Die Pflicht zum sichtbaren Hinweis trifft nicht nur uns, sondern jeden, der solche Bilder veröffentlicht. Wir sagen es lieber einmal zu oft, als dass jemand hinterher blöd dasteht.
Übrigens auch das GIF. Das entsteht aus euren Einzelbildern, und weil es erfahrungsgemäß am häufigsten weitergeschickt wird, haben wir ihm dieselbe Markierung mitgegeben - was technisch nochmal ein eigenes Thema war, weil das GIF-Format Zusatzdaten ganz anders ablegt als ein Foto.
Warum uns das leichter fällt als anderen
Wir haben unsere KI von Anfang an selbst gebaut und lassen sie lokal auf dem Rechner in der Box laufen. Kein Gastfoto geht an irgendeinen Server, kein Cloud-Dienst, keine Übertragung ins Ausland. Das war ursprünglich eine Datenschutzentscheidung - gerade für unsere Kunden aus Behörden und dem öffentlichen Dienst.
Jetzt zahlt es sich noch einmal anders aus: Weil die gesamte Verarbeitung bei uns liegt, konnten wir die Kennzeichnung an genau der einen Stelle einbauen, an der alle Wege zusammenlaufen. Bei einer zugekauften Cloud-Lösung hätten wir warten müssen, bis der Anbieter sich bewegt.
Was ihr als Veranstalter wissen solltet
Für die allermeisten von euch ändert sich nichts. Ihr bucht die Box, eure Gäste haben Spaß, wir kümmern uns um den Rest. Als grobe Orientierung haben wir es einmal aufgeschrieben:
| Was für ein Bild | Was für ein Anlass | Sichtbarer Hinweis? |
|---|---|---|
| Wolle, Ölgemälde, Comic, Karikatur, Mosaik … | jeder | nein |
| Kulissenwechsel, fotorealistische Stile | private Feier | ja - auf Wunsch aus |
| Kulissenwechsel, fotorealistische Stile | Firmenfeier | ja |
| Kulissenwechsel, fotorealistische Stile | Messe, Bilder gehen ins Marketing | ja |
Die unsichtbare Markierung ist in allen vier Zeilen dabei - die machen wir immer. Beim sichtbaren Zeichen haben wir uns für den vorsichtigeren Weg entschieden: Es ist bei den fotorealistischen Stilen standardmäßig an. Und drei Dinge noch:
- Warum bei privaten Feiern "auf Wunsch aus" steht: Das Gesetz nimmt rein private, nicht berufliche Nutzung ausdrücklich vom Anwendungsbereich aus. Bei der Hochzeit im Garten gilt die Hinweispflicht schlicht nicht - wenn ihr das Zeichen also nicht auf euren Bildern haben wollt, schalten wir es für euer Event ab. Sagt uns einfach vorher Bescheid.
- Es wird pro Veranstaltung eingestellt, nicht ein für alle Mal. Dieselbe Box kann am Samstag eine Hochzeit ohne Zeichen und am Montag eine Messe mit Zeichen machen.
- Wenn ihr Bilder weiterverwendet - Intranet, Social Media, Kundenzeitschrift - reist unsere Markierung mit, solange die Datei nicht neu abgespeichert wird.
Was noch nicht abschließend geklärt ist
Wir könnten jetzt schreiben, dass alles geregelt ist. Wäre aber nicht ganz ehrlich. Das Gesetz kennt eine Ausnahme für "offensichtlich künstlerische, kreative oder fiktionale Werke" - und ob eine Fotobox auf einer Feier darunter fällt, ist unseres Wissens noch nicht abschließend geklärt.
Deshalb haben wir es andersherum gelöst: Wir warten nicht, bis das jemand entscheidet, sondern kennzeichnen erst einmal. Wenn sich herausstellt, dass wir strenger sind als nötig, ist das leicht zurückgedreht - ein Schalter. Wären wir zu lax gewesen, ginge es nicht so einfach, denn dann lägen die Bilder längst im Netz.
Und noch etwas, das uns ehrlich gesagt selbst amüsiert: Denselben Kulissenwechsel könnte man auch mit einem klassischen Greenscreen machen, ganz ohne KI - dann würde die Frage sich gar nicht stellen. Wir machen es trotzdem mit KI, weil ihr dann keine grüne Wand aufbauen müsst und wir die Kulisse in einer Sekunde wechseln können. Manchmal ist der bequemere Weg eben der, der mehr Erklärung braucht.
Fragen dazu?
Wenn ihr für euer Event genauer wissen wollt, was das bedeutet - oder wenn euer Datenschutzbeauftragter Fragen hat, was wir technisch wie machen: Schreibt uns einfach. Wir erklären das gerne, und wir haben inzwischen Übung darin.
Liebe Grüße,
Steffi & Julian
P.S.: Dass ausgerechnet unsere Wollfiguren und Karikaturen völlig unbedenklich sind - weil sie so offensichtlich keine Fotos sind - hat Julian besonders gefreut. Bei den Karikaturen ist das fast ein bisschen ironisch: Sie treffen die Gäste oft verblüffend genau, und gerade weil man ihnen ansieht, dass sie gezeichnet sind, stellt sich die Frage nach einem Hinweis erst gar nicht.